Berichte

14.05.2016

Willkommenskultur nicht mehr willkommen?

 

Eigentlich wollte ich mich nicht mehr über die Asylpolitik der Bayerischen Staatsregierung ärgern, aber als ich diese Woche beim Frühstück die Süddeutsche Zeitung aufschlug, hatte ich doch einige Probleme mit meinem Vorsatz.  Auf der Seite 1 unten stand in großen Lettern: „Seehofer: Ende der Willkommenskultur notariell besiegelt“.  

Eigentlich passte die Aussage gar nicht zum Inhalt des Artikels, den hier ging es nur um die Fortführung der Grenzkontrollen auf die sich der Bund und Bayern geeinigt hatten. Aber wenn diese Einigung auch als „Dokument der Wende“ in der Flüchtlingspolitik bezeichnet wird, und deshalb jetzt auch auf die beabsichtigte bayerische Verfassungsklage gegen die Asylpolitik der Bundesregierung fallen gelassen werden kann, dann erhält diese Aussage die Bedeutung eines „Schluss ist“!

Kommentartoren verweisen dabei auch auf die Bedeutung dieser Aussage für die vielen Ehrenamtlichen, die ja schließlich diese „Willkommenskultur“ möglich gemacht haben. Jeder möge sich seine eigenen Gedanken dazu machen.

Wer mehr dazu wissen möchte, dem seien die drei nachfolgenden Artikel zur Lektüre empfohlen.

http://www.sueddeutsche.de/news/politik/migration-seehofer-ende-der-willkommenskultur-notariell-besiegelt-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-160510-99-896251

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/horst-seehofer-beendet-willkommenskultur-kommentar-a-1091845.html

http://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/detailansicht/aktuell/bedford-strohm-kein-ende-der-willkommenskultur-96081/

 

J.W.

 

14.4.2016

Integration ante Portas

 

Nun ist auch dem letzten Verantwortlichen klar geworden, das viele der Asylsuchenden, speziell des letzten Jahres, für absehbare Zeit, wenn nicht gar für immer in Deutschland bleiben werden und schon ist betriebsame Hektik ausgebrochen. Das neue Stichwort heißt „Integration“

Nachdem am 23. Februar 2016 das bayerische Kabinett den Entwurf eines bayerischen Integrationsgesetzes beschlossen hatte, hat nun gestern auch die Koalitionsrunde in Berlin ein Integrationsgesetz beschlossen, das folgende Eckpunkte enthalten soll:

Arbeitsmarktintegration: Es werden 100.000 zusätzliche "Arbeitsgelegenheiten" - darunter vermutlich Ein-Euro-Jobs - aus Bundesmitteln geschaffen. Ziel ist eine Heranführung an den Arbeitsmarkt sowie eine sinnvolle Betätigung während des Asylverfahrens. Asylbewerber aus sicheren Herkunftsstaaten sind davon ausgeschlossen. Sie sollen schnell abgeschoben werden.

Deutschkenntnisse: Bisher seien Integrationskurse nicht verpflichtend, wenn eine Verständigung bereits mit einfachen      Deutschkenntnissen möglich ist. Das reiche aber für eine Arbeitsstelle und einen möglichen dauerhaften Aufenthalt nicht aus. In diesem Fall soll es eine Verpflichtung zu Integrationskursen geben.

Wertevermittlung: Ein Orientierungskurs soll inhaltlich erweitert werden und schwerpunktmäßig Inhalte zur Wertevermittlung enthalten. Die Unterrichtseinheiten sollen von 60 auf 100 aufgestockt werden.

Sanktionen: Leistungsberechtigte werden zur Mitarbeit bei angebotenen Integrationsmaßnahmen verpflichtet. Ablehnung oder Abbruch ohne wichtigen Grund führen zu Leistungseinschränkungen. Bei Straffälligkeit wird das Aufenthaltsrecht widerrufen. Nachzuweisendes Fehlverhalten eines Asylbewerbers soll mit Leistungskürzungen verbunden werden.

Keine Vorrangprüfung: Für einen Zeitraum von drei Jahren soll bei Asylbewerbern und Geduldeten gänzlich auf die Vorrangprüfung verzichtet  werden, wonach zunächst einem deutschen oder europäischen Staatsbürger der Job angeboten werden muss.

Anreize zur Integration: Eine unbefristete Niederlassungserlaubnis wird nur bei erbrachten Integrationsleistungen erteilt. Das können sein:  Sprachkenntnisse, Ausbildung, Arbeit.

Wohnsitzzuweisung: Zur Vermeidung sozialer Brennpunkte sollen Schutzberechtigte gleichmäßiger verteilt werden. "Eine Verletzung der  Wohnsitzzuweisung führt für die Betroffenen zu spürbaren Konsequenzen."

Ausweis: Um Unklarheiten bei der Aufenthaltsgenehmigung zu vermeiden, soll der Zugang zum Arbeitsmarkt und zu Integrationsleistungen an einen Ankunftsnachweis geknüpft werden.

 

Wie Integration in Bayern aussehen soll, kann man hier im Original nachlesen: http://www.stmas.bayern.de/imperia/md/content/stmas/stmas_internet/integration/160223_bayintg_entwurf.pdf

 

Und dazu gibt es von den Verbänden bereits viel Kritik, zum Beispiel von der Caritas der Erzdiözese München und Freising e.V.

Da heißt es unter anderem:

Das Integrationsgesetz fordere in erster Linie die Integration der Migranten, schließe aber eine Förderung nahezu aus. „Es hat einen Zwangscharakter und vermittelt den Eindruck, dass man von integrationsunwilligem Klientel ausgehe“, schreibt Norbert J. Huber, Geschäftsführer der Caritas-Zentren München Stadt/Land.

So fordert die Caritas für den Bereich Bildung, dass der Zugang zu Sprachkursen vereinfacht werde und unabhängig vom Aufenthaltsstatus möglich sein müsse.

Im Bereich Bürgerschaftliches Engagement müsse ein entsprechender Artikel im Gesetz überhaupt erst aufgenommen werden. „Es ist ein Unding, dass Tausende von Ehrenamtlichen gerade für die Integration einen unschätzbaren Einsatz leisten und in dem Gesetz überhaupt nicht vorkommen“, sagt Huber. Es sei auch sicherzustellen, dass freiwilliges Engagement keine hauptberufliche Tätigkeit ersetzen dürfe.

Die Übernahme der Kosten für die Integration dürfen nicht im Konjunktiv formuliert werden, sondern müsse verbindlich sein, fordert die Caritas.

 

Das ganze Dokument der Caritas der Erzdiözese München und Freising e.V. kann man hier nachlesen: 

https://www.caritas-nah-am-naechsten.de/media/Media1758420.PDF

 

Bleiben zum Schluss für mich noch zwei  Fragen, die bisher unbeantwortet blieben: 

  • Warum brauchen wir eigentlich zwei Integrationsgesetze, eins im Bund und eins in Bayern?

  • Und wer bitte schön, wird sich denn um die Umsetzung dieser Gesetze kümmern, d.h. den Migranten das Integrationsgesetz erklären und ihnen helfen es zu erfüllen?

 

 

J.W.

 

 24.3.2016

Nicht nett von Netto!

 

Angst entsteht aus Unwissenheit. Das ist auch mit der Angst vor Fremden so. Gerade was Asylsuchende betrifft, gibt es viele Gerüchte und Falschmeldungen, die oftmals sogar gezielt gestreut werden, um Neid, Vorurteile, Unruhe, bis hin zum Fremdenhass zu erzeugen.

Um solchen Tendenzen vorzubeugen wollte der Freundeskreis Asylsuchende Stammham eine Informationsveranstaltung für die Stammhamer Mitbürger durchführen. Die Überlegung war, die Stammhamer gezielt anzusprechen. Wo besser kann man die Menschen erreichen, als am Samstagvormittag vor den Geschäften. Und dafür gibt es in Stammham nur einen zentralen Punkt, das ist der Netto-Supermarkt, der einzige Supermarkt im Ort.

Deshalb baten wir den Filialleiter um Erlaubnis, einen entsprechenden im Informationsstand vor dem Netto-Supermarkt aufbauen zu dürfen. Doch der Marktleiter erklärte, dass er dies nicht entscheiden könnte und wir uns damit an die Geschäftsleitung wenden sollten. Also schrieb Dorle Reichgeld eine E-Mail an die Geschäftsleitung. Zurück kam eine negative Standardantwort, wie sie offensichtlich für Spendenanfragen verwendet wird. In einer zweiten E-Mail stellten wir klar, dass wir keine Spende haben wollten, sondern nur die Erlaubnis, einen Infostand aufzubauen. Die zweite Antwort, ganze elf Worte lang, war wiederum: Nein.

Also wollten wir in einem letzten Anlauf den Namen des verantwortlichen „Entscheiders“ wissen, um mit ihm direkt Kontakt aufzunehmen. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten und lautete: “Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir Informationsstände dieser Art mit politischem Bezug grundsätzlich nicht genehmigen und wir in diesem Einzelfall keine Ausnahme machen können.“

Nun frag ich mich, was ist an der Weitergabe von Informationen über die Asylsuchenden in unserem Ort „politisch“? Vielleicht das ein Teil der Kunden von Netto dem Thema eher ablehnend gegenübersteht und man wirtschaftliche Nachteile fürchtet? Außerdem meint der Eine oder Andere sich erinnern zu können, zu Wahlkampfzeiten sehr wohl einen Infostand einer politischen Partei vor dem Netto-Supermarkt gesehen zu haben.

Honi soit qui mal y pense!

J.W.

 

 2.3.2016

Weitere Asylbewerber eingetroffen

Heute sind weitere Asylbewerber in unserer Gemeinde angekommen. Es handelt sich um eine afghanische Großfamilie mit insgesamt 10 Personen. Vom Kleinkind bis zur Großmutter sind alle Generationen vertreten.

Sie sind alle zusammen in einem Haus in der Siedlungsstraße untergebracht. Auch in dieser Gruppe befindet sich eine hochschwangere Frau, die noch in diesem Monat ihr Kind erwartet.

Alle zeigten sich hoch zufrieden mit der neuen Unterkunft. Ihr "Sprecher" spricht perfekt Englisch, so das die Kommunikation reibungslos funktioniert. Die Helfer des Freundeskreises waren bei der Ankunft vor Ort, so dass sofort mit den ersten organisatorischen Schritten begonnen werden konnte, wie z.B. Information über Einkaufsmöglichkeiten, Anmeldung bei der Gemeinde, Vereinbarung von Arztterminen, Feststellung von noch benötigten Einrichtungsgegenständen usw.

Wir wünschen auch diesen „Neuen“ einen guten Start in unserer Gemeinde und viel Glück für die Zukunft!

 J.W.

26.2.2016

Neue Asylbewerber angekommen

Am Mittwoch und Donnerstag sind neue Asylbewerber in unserer Gemeinde angekommen.  Alle sind jesidische Flüchtlinge aus dem Nordirak. Unter den 6 Personen  ist auch ein Ehepaar. Die Frau ist hochschwanger und erwartet ihr Kind im März. Die anderen vier sind Bruder und Schwester sowie ihre Tante mit ihrem Sohn.

Alle 6 Flüchtlinge sind zusammen in einem Haus in der Hirtengasse untergebracht, wo sie nach ihrer langen Flucht erst einmal zu Ruhe kommen sollen. Helfer des Freundeskreises haben sie in Empfang genommen und kümmern sich um sie. So haben wir ihnen zum Beispiel schon ihre neue Umgebung gezeigt und vor allen Dingen den Weg zu den Geschäften, in den sie sich mit den notwendigsten Sachen versorgen konnten.

Heute sind die letzten 2 Personen, ein weiteres Ehepaar, eingetroffen. Damit ist die Unterkunft in der Hirtengasse komplett belegt.

Wir wünschen unseren „Neuen“ einen guten Start in unserer Gemeinde und viel Glück für die Zukunft!

J.W.

P.S. Auf der Seite <<<Sachspenden>>> finden Sie Dinge, die noch gebraucht werden. Sehen Sie bitte von Zeit zu Zeit einmal vorbei. Vielleicht ist ja etwas dabei, was Sie nicht mehr brauchen und zur Verfügung stellen können.

15.02.2016

Unsere Asylbewerber richten ein Fest für ihre Helfer aus

 

Als kleines Dankeschön für die Unterstützung, haben die Asylbewerber in der Unterkunft in Stammham am Samstag den 13. 2.2016 ein Fest für ihre Helfer veranstaltet.

Die zahlreich erschienenen Helfer mit ihren ebenfalls eingeladenen Partnern, wurden von den Asylbewerbern mit afrikanischen und afghanischen Gerichten bewirtet.

Neben Essen und Trinken war, trotz aller Sprachschwierigkeiten, auch ausreichend Gelegenheit zu Gesprächen und man war sich schnell einig, dass dies nicht die letzte Veranstaltung dieser Art gewesen sein sollte.

 

J.W.

 

Weitere Bilder gibt es <<<hier>>>

 

21.01.2016

Hilfestellung bei Helferkreisgründung

Zur Zeit entstehen in einigen Landkreisgemeinden neue Unterkünfte für Asylbewerber und gleichzeitig auch neue Helferkreise zu Unterstützung der Asylbewerber.

Nachdem der Freundeskreis-Asylsuchende Stammham bereits bei der Gründung des Helferkreises Großmehring Ende letzten Jahres mit seinen Erfahrungen Hilfestellung gegeben hatte, wurde Helmut Reichgeld vergangene Woche gebeten, auch in Böhmfeld bei der Gründung eines Helferkreises zu unterstützen. Nach zweieinhalb Stunden intensiver Arbeit war es geschafft: der Helferkreis Asylsuchende Böhmfeld war gegründet.

Den vollständigen Bericht können Sie hier lesen:

 

Helferkreis in Böhmfeld gegründet
16-01-12 Helferkreis.pdf (144.5KB)
Helferkreis in Böhmfeld gegründet
16-01-12 Helferkreis.pdf (144.5KB)

 

 

 

 

 24.12.2015

Eine schöne Bescherung - Weihnachtsmann im Schloss!

Dieses Jahr gab es für die Kinder im Schloss eine  Überraschung. Der Weihnachtsmann brachte für jedes Kind unserer "Schloss-Bewohner" ein kleines Geschenk vorbei. Durch den Zuzug neuer Asylsuchender ist in diesem Jahr die Zahl der Kinder von 4 auf 8 Kinder gewachsen.

Wie man auf dem Bild sehen kann, war die Begeisterung groß. Stolz präsentierten die neuen Puppenmütter ihren Nachwuchs!  Ermöglicht hatten diese Überraschung  Mitglieder des Freundeskreises Asylsuchende Stammham. Dafür nochmals vielen Dank!

 

 

Weitere Bilder sind auf der Seite <<< Bilder>>> zu sehen

J.W.

20.12.2015

Die etwas andere Weihnachtsgeschichte

Zu Weihnachten wird in der christlich abendländischen Kultur oft an die Herbergssuche von Maria und Josef erinnert. Eine Geschichte, die wie ich meine, ganz besonders gut in die heutige Weihnachtzeit passt.

Die Geschichte der Herbergssuche einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel erzählt, ist das nachfolgende Interview, das ich in der Süddeutschen Zeitung entdeckt habe.

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Zapfendorf — Der Syrer Kawa Suliman Iebt seit einem Jahr in einem Asylbewer­berheim im fränkischen Zapfendorf. Das Heim war früher ein Landgasthof. So steht es auch noch draußen an der Hauswand: - Brauerei-Gasthof Hennemann. Wohl des­halb haben zwei Urlauber aus Baden-Würt­temberg da was verwechselt, so war es im Weihnachtsbrief der Pfarrei Zapfendorf zu lesen. Ein Anruf bei Kawa Suliman.

SZ: Herr Kawa Suliman, Sie und Ihre Mit­bewohner hatten offenbar zwei Gäste.  

Kawa Suliman: Erst mal Entschuldigung, mein Deutsch ist nicht so gut. Ich bin ja noch nicht so lang in Deutschland.

Dafür klingt es ganz ausgezeichnet.

Oh vielen Dank. Ja, es war so: Einer meiner Mitbewohner aus dem Heim hat mich ge­rufen. An der Tür standen zwei Menschen. Er sagte, dass er nicht denkt, dass das neue Deutschlehrer von uns sind. Komm schnell Kawa, hat er gerufen. Ich spreche besser Deutsch als er. Die beiden sahen aus, wie sagt man? So ähnlich wie: müde,

Erschöpft?

Ja, erschöpft, die beiden sahen erschöpft aus. Sie haben gesagt: Hallo. Wir möchten gerne ein Essen und etwas zu trinken. Oh, habe ich geantwortet, dann sollen sie bitte kommen in den Gemeinschaftsraum.

Sie leben In einem ehemaligen fränki­schen Landgasthof.

Ja, genau. Da ist ein guter Raum im Heim, groß genug für viele Menschen. Wir trinken da Kaffee, und wir halten den Raum su­per sauber. Ich habe dann den beiden Gäs­ten gesagt: Ja bitte, setzen Sie sich. Ma­chen Sie es sich bequem, Sie sollen sich bei uns fühlen wie zu Hause. Ich glaube, Sie waren sehr hungrig und sehr durstig.

Warum das?

Ah, sie waren, wie heißt das? Sie haben ei­ne Wanderung gemacht.

Wanderer.

Ja, tut mir leid, genau: Wanderer. Sie wa­ren im Urlaub. Später sagten sie uns, dass sie aus Karlsruhe sind. Aber erst mal ha­ben sie gefragt, was wir zu essen haben.

Fanden Sie das nicht ein bisschen, nun ja, ungewöhnlich?

Nein, warum, es waren ja Wanderer. Ich ha­be gesagt: Ja, wir haben Käse und wir ha­ben Brot und Salat und Marmelade.

Wie fanden Ihre Gäste das Angebot?

Ich weiß nicht, sie sagten: Ja, schön. Sie wollten dann wissen, was wir zu trinken ha­ben, und ich habe geantwortet: Schwarzer und grüner Tee und Kaffee, aber keinen Al­kohol. Sie waren einverstanden.

Ihren Gästen kam das nicht irgendwie merkwürdig vor?

In dem Moment? Ich weiß es nicht genau, sie haben einfach bestellt. Ich bin dann in die Küche gegangen und habe zu meinen Mitbewohnern gesagt: Wir haben Gäste. Ich glaube, sie denken, unser Heim hier ist ein Restaurant oder ein Café. Gut, umso mehr haben wir uns angestrengt.

Waren die Gäste zufrieden?

Oh, ich glaube schon. Wir haben alles zube­reitet und die Frau wollte wissen: Was ist das alles? Also habe ich es ihr erklärt: Ein Brot, syrische Art. Und Marmelade, syrische Art. Später haben uns die Gäste erzählt: Sie haben sich ein bisschen gewundert über die Einrichtung. Und über das Angebot, was sie zu essen bekamen. Aber sie dachten: Das ist ein Restaurant, das neu eröffnet ist. Und, wie soll man sagen? Vielleicht ein bisschen noch nicht alles ganz so perfekt.

Aber geschmeckt hat es ihnen?

Oh ja: Nach etwa 15 Minuten waren sie fer­tig, unser Essen hat ihnen gut ge­schmeckt, haben sie gesagt. Und wollten dann wissen: Was kostet das bitte? Ich ha­be geantwortet: Das kostet nichts.

Hm.

Ja, sie waren auch ganz erstaunt. Und woll­ten immer wieder zahlen. Sie sind unsere Gäste, haben wir geantwortet, und unsere Gäste zahlen hier nichts. Das ist impossible, niemals! Aber warum? Sie haben es einfach nicht verstanden.

Bis Sie es Ihnen gesagt haben.

Ja, das ist hier ja kein Restaurant, haben wir gesagt. Oh, die beiden haben sich viel­mals entschuldigt. Und die Frau hat zu wei­nen begonnen. Wir haben gesagt: Kein Pro­blem, wir sind sehr glücklich, dass Sie un­sere Gäste waren. Und dann hatten wir sehr viel Spaß. Wir haben Adressen ausge­tauscht. Jetzt hat das Paar uns schon ge­schrieben und ein Geschenk geschickt.

Fühlen Sie sich wohl in Deutschland?

Deutschland ist sehr gut zu uns. Wir sind glücklich hier. Nur eines ist vielleicht nicht so gut: Die, wie sagt man, Bürokratie. Aber sonst: Die Deutschen sind tolle Leute.

INTERVIEW: OLAF PRZYBILLA

Quelle: Süddeutsche Zeitung v. 19./20.12.2015, Bayern, Seite 75

07.12.2015

"Winterabend im Schloss"

Am letzten Donnerstag fand wieder unsere gemeinsame vorweihnachtliche Feier zusammen mit unseren Asylbewerbern statt. Diesmal stand sie unter dem Thema " Winterabend im Schloss". Ungefähr 50 Teilnehmer, darunter auch Mitglieder des Gemeinderates, fanden bei Punsch, Putensteaks und allerlei Selbstgebackenem ausreichend Gelegenheit zu gemeinsamen Gesprächen und zum sich besser Kennenlernen. Nach Meinung der Teilnehmer war es wieder einmal ein gelungenes Stück praktischer Integrationsarbeit des "Freundeskreises Asylsuchende Stammham".

Vielen Dank den Helfern für eine schöne Feier!

Weitere Bilder gibt es <<<hier>>> zu sehen.

J.W.

 

 

15.9.2015

Ein großer Tag für kleine Leute!

Heute war ein wichtiger Tag für viele Kinder in Bayern, der erste Schultag! Auch für Farhad aus Afghanistan war heute der erste Schultag. Man merkte ihm und seiner Mutter an, dass das etwas Neues war. Viele neue Gesichter und dann die Schultüte, etwas was jeder bei uns kennt, aber sicher nicht in Afghanistan. Nun heißt es vor allen Dingen Deutsch lernen, aber ich weiß aus Erfahrung, das geht schneller als mancher glaubt. Wir wünschen Farhad viel Erfolg und viele neue Freunde.

 

 

 

 

 

 

Aber es gab noch ein weiteres Ereignis in der Römerstr. 2. Für zwei unserer Jüngsten, Fallou und Ehsad, Farhads kleiner Bruder, war heute der erste Tag in der Krabbelgruppe. Auch diesen Beiden wünschen wir einen guten Start in der neuen Umgebung.

J.W.

Weitere Bilder sind in der Rubrik <<< Bilder >>> zu sehen

 

 13.9.2015

Wir schaffen das!

 

Wie hat unsere Kanzlerin angesichts der stark ansteigenden Flüchtlingszahlen der letzten Tage gesagt: „Wir schaffen das“. Allerdings, und das hat sie auch gesagt, müssen wir von der deutschen Gründlichkeit weg, hin zu etwas mehr Pragmatismus im Umgang mit Asylsuchenden kommen. Und ob das gelingt, da habe ich aus eigener Erfahrung meine Zweifel.

Im Artikel des Donaukuriers, „Zum Nichtstun verdammt“ vom 9. September wird beschrieben, wie Asylbewerbern aus dem Senegal, trotz vorhandener Arbeitsmöglichkeit, die Erlaubnis für eine Beschäftigung verweigert wird. Hintergrund ist eine Anweisung des Bayerischen Innenministeriums vom März dieses Jahres an die Ausländerämter, allen Asylbewerbern aus sicheren Herkunftsstaaten keine Beschäftigungserlaubnis mehr zu erteilen.  

Das Verbot der Ausübung einer Beschäftigung von Asylbewerbern aus sicheren Herkunftsstaaten sollte in ursprünglich die Asylbewerber aus den Balkanstaaten abschrecken. Das auch Senegal zu den sicheren Herkunftsstaaten gehört, wurde dabei offensichtlich übersehen. Unglücklicherweise gehören aber die Asylverfahren für Senegalesen zu den Asylverfahren, die am längsten dauern. In unserer Gemeinschaftsunterkunft gibt es vier Senegalesen, die seit nunmehr zwei Jahren auf die Entscheidung ihrer Verfahren warten. Sie haben alle in der Zwischenzeit eine Arbeit gefunden, die es Ihnen erlaubt, Ihren Aufenthalt selber zu finanzieren und nicht „dem deutschen Steuerzahler auf der Tasche zu liegen“. Bei der Verlängerung oder der Änderung der Arbeitserlaubnis, wie in einem Fall bereits geschehen, wird aber keine neue Arbeitserlaubnis mehr erteilt. Das heißt in der Praxis, die Asylbewerber müssen wieder über das Asylbewerberleistungsgesetz mit Steuermitteln unterstützt werden.  

Gott sei Dank wird dieser Irrsinn nur in Bayern praktiziert. Alle anderen Bundesländer erlauben ihren Asylbewerbern, wenn sie sich länger als drei Monate erlaubt in der Bundesrepublik Deutschland aufhalten, die Ausübung einer Beschäftigung, sofern die Bundesagentur für Arbeit zugestimmt hat. So sieht es das Asylverfahrensgesetz vor.  

Wer wie der CSU-Landtagsabgeordnete Karl Straub in dem zitierten Zeitungsartikel bedauert, dass die vielen Menschen aus sicheren Herkunftsländern über das Asylverfahren auf den Arbeitsmarkt strömen, dem sei gesagt: Wer in Deutschland arbeiten möchte und nicht aus einem EU Staat stammt, kann nur die Zuwanderung über das Asylrecht versuchen. Eine andere Möglichkeit, zum Beispiel die geregelte Zuwanderung über ein „Einwanderungsgesetz“ gibt es nicht. Ein Einwanderungsgesetz, das den Berg der unberechtigten Asylverfahren reduzieren würde, wird aber von der bayerischen Staatsregierung abgelehnt. Das oftmals als Ersatz für ein fehlendes Einwanderungsgesetz zitierte „Zuwanderungsgesetz“, offizieller Titel:“ Gesetz zur Steuerung und Begrenzung der Zuwanderung und zur Regelung des Aufenthalts und der Integration von Unionsbürgern und Ausländern“, zielt nicht auf die Regelung der Zuwanderung sondern auf deren Gegenteil, die Begrenzung der Zuwanderung ab.

Wer also möchte, dass in erster Linie Asylsuchenden aus Bürgerkriegsländern schneller und besser geholfen wird, der darf sich einer geregelten Zuwanderung für Arbeitsuchende nicht verweigern. Ferner sollte er die Asylverfahren für Nicht-Bürgerkriegsflüchtlinge beschleunigen und sollte jedem, bis zum Abschluss seines Asylverfahrens, nach den geltenden Regeln die Ausübung einer Beschäftigung erlauben, nicht zuletzt auch um die öffentlichen Kassen zu entlasten. Dann schaffen wir das auch.

Der zitierte Zeitungsartikel des Donaukuriers kann unter <<< Presse >>> nachgelesen werden.

 Joachim Walter

 

29.8.2015

 „Wasser marsch!“

Ein Bericht von Helmut Reichgeld über den Besuch bei der Freiwilligen Feuerwehr Stammham

 

Im Rahmen einer Informations-/ Integrationsveranstaltung hatte die Freiwillige Feuerwehr Stammham die Asylsuchenden aus dem Schloss und die Mitglieder des Freundeskreises zu einem interessanten und erlebnisreichen Nachmittag  in die Feuerwache eingeladen.

Nach einer kurzen Einführung in die Organisationsstruktur und die Aufgaben einer Freiwilligen Feuerwehr lernten alle, dass bei einem Notfall – Brand oder Unfall – die Notrufnummer 112 anzurufen ist und welche Informationen an eine Einsatzzentrale gegeben werden müssen, um die Rettungs- und Hilfsmaßnahmen erfolgreich einleiten zu können.

 

Anschließend hatte jeder Gelegenheit die Einsatzfahrzeuge und deren Innenleben mit den hochtechnischen Ausstattungen – wie z.B. eine Rettungsschere in Aktion und Geräte zur medizinischen Erstversorgung -  zu besichtigen. Zwischendurch mussten viele Fragen – insbesondere von unseren Flüchtlingen – beantwortet werden. Nach einem Rundgang durch das Feuerwehrhaus und Erklärungen zur Arbeit der Feuerwehr-Kameraden kam es auch schon zu den ersten Vorführungen.

Gezeigt wurde, in welchem Tempo nach erfolgtem Alarm die Einsatztruppe in Vollmontur vom Hof fahren kann. Mit Blaulicht und Sirene des größten Einsatzfahrzeugs unter Vollbesetzung und Einsatzkleidung einschließlich Atemschutzgeräten und Sauerstoffflaschen wurde ein Rettungseinsatz mit Opferbergung vorgeführt. Alle folgten mit großem Interesse und Begeisterung dieser realitätsnahen Simulation.

Danach ging es mit 3 Feuerwehrautos auf den Stammhamer Wertstoffhof. Brennendes Fett, loderndes Feuer und eine  explodierende Spraydose sowie der Einsatz einer Löschdecke waren die nächsten Demonstrationspunkte. Dann durften alle selbst einmal Hand anlegen und zum Einsatz kommen. Ein  Brandherd musste mit Hilfe eines Feuerlöschers erstickt werden. Abschließend galt es bei  „Wasser marsch !“ mit aller Kraft den Löschschlauch mit Spritze in der vorgegebenen Richtung zu halten.

 

 

Einstimmig waren alle der Meinung dass man viel an diesem Nachmittag gelernt hat und man die Feuerwehr und ihre Einsatzkräfte künftig mit ganz anderen Augen und größerem Respekt betrachtet.

 Danach mussten Hunger und Durst gestillt werden. Zurück im Feuerwehrhaus waren schnell Biertische und Bänke aufgestellt und die Grills angeworfen, sodass das gemütliche  Beisammensein beginnen konnte. Die Grillspezialitäten aus dem Dorfladen in Appertshofen und die mitgebrachten Salate haben allen geschmeckt.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass – obwohl es den ganzen Tag sehr heiß war – alle Teilnehmer begeistert waren von diesem informativen und ereignisreichen  Nachmittag.

Nochmals ein großes Dankeschön an die Freiwillige Feuerwehr Stammham für diesen wertvollen Tag des Beisammenseins mit vielen neuen Eindrücken.

Danke auch an Wolfgang Beck und Kristina Hartl , die für den Freundeskreis die Organisation übernommen hatten.

Unisono lautete das Fazit dieses für alle lehrreichen und langen Tages: Besser kann man Integration nicht leben und umsetzen.

H.R.

 

Weitere Bilder kann man unter <<< Bilder >>> ansehen

Auch der Donaukurier berichtete über die Veranstaltung <<< siehe Presse >>>

Link zu Artikel auf der Webseite der Freiwilligen Feuerwehr Stammham : <<<http://feuerwehr-stammham.de/content/5/728/>>>

 

16.8.2015

Herzlich willkommen!

 

Seit Freitag haben wir neue Bewohner aus Afghanistan in unserer Unterkunft an der Römerstraße. Bislang wohnten in dem Zimmer eine Frau mit zwei Kindern aus Syrien, dann aus dem Kosovo und nun aus Afghanistan. Mit den Stockbetten und einer eigenen Toilette ist dieses Zimmer laut Frau Lechermann vom Landratsamt Eichstätt speziell für alleinstehende Mütter mit Kindern reserviert.

Zwei Tage hatten wir schon auf die Ankunft der Mutter mit ihren zwei Kindern gewartet und waren schon in Sorge. Aber am Freitagmorgen als Steffi Clappie und ich die Unterkunft besuchten, waren sie da.

Mit Hilfe der anderen Afghanen, die schon länger bei uns sind und bereits deutsch sprechen, wurde der erste Kontakt schnell hergestellt. Wie immer bei Neuankömmlingen waren die ersten Fragen: Haben sie alles für die ersten Tage, wie Essen, Trinken und in diesem Fall mit einem Kleinkind, reichen die Windeln?

Wie wir schnell feststellen konnten, war alles soweit es die Unterkunft betraf vorhanden, aber Essen und Trinken war noch zu organisieren, zumal ein langes Wochenende vor der Tür stand. Außerdem erfuhren wir, dass die Neuankömmlinge außer der Kleidung, die sie am Körper trugen, nichts hatten.  

Schnell wurde ein Einkaufsschein bei der Caritas besorgt und eine Transportmöglichkeit zum Caritasmarkt in Gaimersheim für die kommende Woche organisiert. Und noch während wir mit der Mutter im Gespräch waren, trafen bereits die ersten Spielsachen als Willkommensgruß für die Kinder ein.

Auch Andreas Wurtinger, unser offizieller Betreuer der Caritas Eichstätt, kam noch am Freitagmittag vorbei, um die „Neuen“ in ihrer neuen Unterkunft zu besuchen.

Nach den Enttäuschungen der letzten Zeit, war es eine gute Erfahrung, wieder einmal so viel spontane Unterstützung zu erfahren.

 

Joachim Walter

Kastriots Heimkehr

 

Man liest viel in diesen Tagen von „massenhaftem Asylmissbrauch“ der Flüchtlinge vom Balkan und der Notwendigkeit spezielle Erstaufnahmeeinrichtungen für diese Flüchtlinge einzurichten.

Einen von Ihnen, Kastriot Haliti aus dem Kosovo, habe ich über die letzten 5 Monate begleitet. Nachdem sein Asylantrag abgelehnt wurde und er sich für eine freiwillige Rückkehr entschieden hatte, fuhr ich ihn in der Nacht von Freitag auf Samstag nach München, wo sein Rückflug nach Pristina startete.

Um 1:00 Uhr in der Nacht habe ich ihn in der Unterkunft in Stammham abgeholt, rechtzeitig genug, damit wir der Aufforderung der Ausländerbehörde, bis spätestens 3:00 Uhr auf am Flughafen München einzuchecken, Folge leisten konnten. Leider ein Irrtum wie sich herausstellte, keine der Angaben des Ausländeramtes war korrekt, weder die Check-in-Zeit noch der Check-in-Schalter.

Bei der Fahrt durch die Nacht habe ich mit Kastriot noch einmal darüber gesprochen, warum er nach Deutschland wollte. Kastriot ist in den 90er Jahren mit seinen Eltern als kleines Kind nach Deutschland gekommen. Er ist hier aufgewachsen und zur Schule gegangen, weshalb er auch perfekt deutsch spricht. Nach dem Balkankrieg kehrte er mit seinen Eltern in den Kosovo zurück. Zu der Zeit sprach er besser deutsch als albanisch. Deshalb war er in seinem Dorf auch immer der „Deutsche“ und hatte in der Schule sprachliche Probleme. Ein typisches Schicksal multikultureller Kinder. Nirgendwo daheim. Das war schließlich der Grund warum er nach Deutschland zurück wollte. Leider ist das aber kein Asylgrund.

Nachdem sich herausstellte, dass der Check-in für den Flug nach Pristina  erst um 4:00 Uhr beginnen würde, hatten wir viel Zeit zu reden. So sehr ich mich auch bemühte allgemeine Themen anzusprechen, kamen wir immer wieder auf die zentrale Frage zurück: Warum bekomme ich meine kosovarischen Ausweisdokumente nicht zurück? Erst hieß es im Ausländeramt: Die Dokumente gibt es überhaupt nicht mehr zurück, als abschreckende, wenn auch widerrechtliche, Maßnahme. Dann hieß es, die Dokumente werden beim kosovarischen Konsulat in München hinterlegt und  die letzte Auskunft war, die Dokumente kann er sich nach der Ausreise in der Deutschen Botschaft im Kosovo abholen. Das ist keine abschreckende Maßnahme mehr, das ist einfach nur noch lächerliches Chaos!

Ich habe Kastriot als stets hilfsbereiten Menschen kennen gelernt. Als zum Beispiel die alleinstehende Mutter zweier Kinder aus dem Kosovo  ins Krankenhaus musste, hat er sich spontan bereit erklärt, sich um die Kinder zu kümmern. Er hat bei den Kindern übernachtet und hat für sie gekocht bis die Mutter aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Wenn es etwas zu übersetzen gab, sei es im Krankenhaus, bei den Behörden oder beim Rechtsanwalt, Kastriot hat stets geholfen. Selbst am letzten Tag vor seiner Ausreise ist er mit zum Ausländeramt gefahren, um beim Übersetzen zu helfen. Warum man ihn „bestraft“, dadurch dass man ihm seine kosovarischen Reisedokumente nicht mehr zurückgibt, hat nicht nur ihn fassungslos gemacht. Trotz mehrfacher Intervention war nicht zu klären, warum er seine Dokumente nicht zurückbekommt.

Am Samstag um 5:00 Uhr in der Frühe wurde er mit anderen kosovarischen Ausreisenden von einem Polizisten auf dem Flughafen München weggeführt.  

Mach’s gut Kasi und vielen Dank!

 

P.S.: Ich habe in der Zwischenzeit aus Protest über das Verhalten des Ausländeramtes Eichstätt meine Tätigkeit als Helfer für die die Asylbewerber bei ihren Kontakten mit Ämtern und Behörden eingestellt.

 Joachim Walter

Die Abschiebung der Bukurije Krasniqi.

 

Gestern am frühen Morgen hat die Polizei Bukurije Krasniqi mit ihren zwei Kindern abgeholt.

An dieser Stelle unseres Internetauftritts sollten kleine Geschichten und Ereignisse aus unserer Unterstützungsarbeit für die Asylbewerber berichtet werden. Lange Zeit war diese Rubrik verweist. Aber jetzt will ich diese Gelegenheit nutzen, um mir meinen Frust von der Seele zu schreiben.

Ich habe Bukurije Krasniqi und ihre Kinder über die Zeit von Februar 2015 bis gestern hauptsächlich bei ihren Behördenkontakten unterstützt. Ich kenne den Hintergrund warum sie nach Deutschland kamen und respektiere die Entscheidung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, das keinen Grund für ein Bleiberecht in Deutschland feststellen konnte.

Auch der teure und zeitaufwendige Versuch per Eilantrag die Abschiebung und die Neuaufnahme des Falls zu erreichen ist gescheitert. Deshalb hatte sich Bukurije Krasniqi entschieden, freiwillig in ihre Heimat, den Kosovo, zurückzukehren.

Sie hatte bereits im Generalkonsulat des Kosovo in München ihre Reisedokumente beantragt, abgeholt und bezahlt. Sie brauchte nur noch die Dokumente des Ausländeramtes Eichstätt und die Tickets für die Heimreise.

Trotzdem verfügte das Ausländeramt in Eichstätt die zwangsweise Abschiebung. Keiner wurde informiert, nicht einmal der offizielle Betreuer der Caritas, der in ständigem Kontakt mit dem Ausländeramt war. Warum das alles, obwohl die freiwillige Ausreise fest stand?

Als ich mich mit Betreuer der Caritas gestern Morgen in der Gemeinschaftsunterkunft wegen einer anderen Sache traf, informierte uns ein Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft, ebenfalls aus dem Kosovo, über die Vorgänge. Er war vom ältesten Sohn von Bukurije Krasniqi früh morgens geweckt worden, weil die Polizei da sei und er bitte wegen seiner Deutschkenntnisse beim Dolmetschen helfen solle.  

Das Erscheinen der Polizei im Morgengrauen ist eigentlich nur üblich wenn Fluchtgefahr besteht. Aber wohin soll eine Witwe mit zwei schulpflichtigen Kindern, die kaum Deutsch spricht und nur über wenig Geld verfügt fliehen?

Und ist es nötig Kinder mit der Polizei abzuholen? Gibt es da keine anderen Möglichkeiten oder ist das Ausländeramt nur zu bequem darüber nachzudenken?

Man hat es noch nicht einmal für nötig gehalten die Schule der Kinder zu informieren. Gestern Morgen erhielt ein Mitglied unserer Freiwilligen-Gruppe von der Schule den Anruf, dass die Kinder nicht zum Unterricht erschienen sind und die Bitte, zu klären was los ist.

Es ist für Freiwillige, die Asylbewerber unterstützen, eine frustrierende Erfahrung zu sehen, wie gleichgültig offiziellen Stellen die Arbeit der Freiwilligen ist, trotz gegenteiliger Beteuerungen bei Festreden. Bei allem Verständnis für die schwierige Situation in der sich manche Behörde angesichts steigender Asylbewerberzahlen sieht, mit solchen Aktionen, wie im Fall Bukurije Krasniqi, hat das Ausländeramt Eichstätt meinem freiwilligen bürgerschaftlichen Engagement einen schweren Schlag versetzt.

 

Joachim Walter

13. April 2015, Gemeinsames Treffen in der Villa

Diesmal fand das monatliche Treffen des Freundeskreises zusammen mit den Asylbewerbern in der Gemeinschaftsunterkunft in der Römerstraße statt. Hintergrund der Idee war es, gemeinsam herauszufinden, ob es Verbesserungspunkte in der Unterstützungsleistung durch den Freundeskreis gibt.

Folgende Themen wurden angesprochen:

  • Die Wichtigkeit der Beherrschung der deutschen Sprache und Verbesserungswünsche bezüglich der vom Freundeskreis angebotenen Deutschkurse.

  • Reparaturbedarf und Sauberkeit in der Gemeinschaftsunterkunft.

Darüber hinaus gab es keine weiteren Punkte, was den Schluss nahelegt, dass es keine größeren Probleme gibt. 

 

Nach Beendigung des offiziellen Teils der Veranstaltung klang der Abend mit Gesprächen in kleineren Gruppen aus.

J.W.

Fotos der Veranstaltung sind unter der Rubrik <<<Bilder>>> zu sehen.

In der Reihe "Unter unserem Himmel" berichtete das Bayerische Fernsehen am 18. 01. 2015 in einer ausführlichen Reportage über das (Zusammen-)Leben der Flüchtlinge im Landkreis Eichstätt.

Den Beitrag können Sie in der Mediathek im folgenden Link ansehen:

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/unter-unserem-himmel/unter-unserem-himmel-224.html

25.11.2014

Die Hochschulgruppe TUN aus Eichstätt hat das folgende Video auf YouTube veröffentlicht. Es ist schon etwas älter und zeigt die Situation im Frühjahr dieses Jahres. In der Zwischenzeit hat sich TUN leider aus Stammham zurückgezogen.  Der Sprachkurs wird jetzt nur noch von Freiwilligen des Freundeskreises Asylsuchende Stammham fortgesetzt.

 

ExternalVideoWidget

 

 

 

 

August 2014

Beginnen möchten wir mit einem Interview mit Herrn Matthias Schmidt, der als Mitarbeiter der Caritas die Betreuung von Asylbewerbern im Auftrag des Landkreises leitet.

 

Interview mit Herrn M. Schmitt
Interview M.Schmitt_ Version 2.pdf (252.52KB)
Interview mit Herrn M. Schmitt
Interview M.Schmitt_ Version 2.pdf (252.52KB)